"Der zerbrochene Krug"

"Der zerbrochene Krug"

Die erste Anregung zu diesem Lustspiel erhielt Kleist 1802 durch Zschokke in Bern. Bei Zschokke sah er den Kupferstich "Der Richter oder der zerbrochene Krug" (1782) des Franzosen Le Vean. Der Stich war einem Gemälde von Debucouit nachgebildet, auf dem das Motiv eines Mädchens mit einem zerbrochenen Krug in der Hand, Symbol der verlorenen Unschuld, von Jean-Baptiste Grenze aufgegriffen ist.

Weitere Anregungen entnahm Kleist der Tragödie "König Ödipus" des Sophokles.

"Der zerbrochene Krug"


Kleist schrieb das Stück "Der zerbrochene Krug" zwischen 1805 und 1807.

Die Handlung spielt in einem niederländischen Dorf. Ein historisch wertvoller Krug wurde zerbrochen, der Täter wird gesucht, an sich ein Bagatellfall. In Anwesenheit eines plötzlich auftauchenden Revisors beweist jedoch die darüber stattfindende
Verhandlung, dass der Dorfrichter Adam selbst der Täter ist. Er zerbrach den Krug, als er sich ungebeten in die Kammer der Jung fer Eve schlich.Vom Verlobten des Mädchens überrascht, floh er,wobei der Krug entzweiging,Adam jedoch unerkannt entkommen konnte. Während der Verhandlung setzt er Amt und Würden ein, um seine Schuld auf andere abzuwälzen. Der Konflikt zwischen "Rechtshütern" und Bürgern, die Differenz zwischen geschriebenem und praktiziertem Recht, scheint durch die zeitweilige Amtsenthebung Adams, verordnet durch den Revisor, gelöst.

Kleist behandelt und erneuert die Gebrechlichkeit der Welt, dargestellt an niederländischen, preu-
ßisch gefärbten Rechtsverhältnissen. Der Fall des Rechts wird zum Rechtsfall, der zerbrochene Krug ein Sinnbild für zerbrochenes Recht und Vertrauenskrisen. Der Einakter, in dem sich Charakter- und Gesellschaftskomödie vereinen, ist bis heute eines der wirkungsvollsten deutschsprachigen Bühnenwerke. Bei der Uraufführung 1808 in Weimar fiel das Stück allerdings durch.

--- Bitte beachten Sie: Reservierungen sind nur persönlich im Restaurant oder telefonisch während unserer Öffnungszeiten möglich. ---